Kurzwellenhobby

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Kurzwellenhobby

Eine kompakte Sammlung von Audiobeispielen, an deren Zustandekommen der Autor dieser HP auch mitwirkte, möchte einen lebendigen Einblick bieten in die tatsächliche Praxis des Rundfunkempfangs mit ehemals handelsüblichen Rundfunkgeräten mit Röhren und preiswerten transistorisierten Reiseempfängern neueren Herstellungsdatums.

Dabei liegt der Schwerpunkt auf Kurzwellenempfang von internationalen Rundfunkstationen mit höherer Sendeleistung in den Sechzigerjahren bis in die Neunzigerjahre hinein, die entweder mittlerweile ihre Dienste gänzlich eingestellt, oder zumindest zeitlich und sendeleistungsmäßig stark reduziert haben.

Darüberhinaus war geplant, mit einigen Bandscans des terrestrischen Empfangs an verschiedenen Standorten eine authentische Momentaufnahme der heutigen Situation dieser Rundfunkfrequenzbereiche nach Einführung der Digitalausstrahlungen zu präsentieren. Wobei wir nun schon beim unten näher erläuterten Diskussionsgegenstand "analog (AM) versus digital (DRM)" angelangt wären.

Wie die Ergebnisse zeigen, ergibt sich in diesem Zusammenhang ein überraschendes Bild:

Eventuell gehegte Befürchtungen, daß mit den älteren Geräten bald überhaupt kein Empfang mehr möglich sein würde, weil sie von der Digitalisierung dieser Frequenzbereiche regelrecht überrollt würden, konnten bislang zurückgedrängt werden.
Man braucht also (noch) nicht einzig und allein in vor Jahren und Jahrzehnten ursprünglich auf Magnetophonband aufgenommenen und hernach in digitalisierter Form auf CD gebrannten, nostalgischen Erinnerungen zu schwelgen, nein, es gibt auch heute immer noch genug Sendestationen, die mit althergebrachter Amplitudenmodulation (AM) arbeiten, allen Unkenrufen zum Trotz. (Es gibt darüberhinaus durchaus ernstzunehmende Unterfangen, sogar alte Rörenradios durch Zusatzmodule auf Digitalempfang umzustellen.)
Das fast zur unverzichtbaren Gewohnheit gewordene allabendliche Kurbeln am Abstimmknopf des Röhrensupers Baujahr 1952 fördert neben Brummen, Geknatter, Gefiepe, Krachen, Krächzen und Rauschen fast unverändert wie anno dazumal Sendestationen aus aller Herren Ländern mit Sphärenklangakustik zutage. Dabei kann man auch immer wieder einem interessanten Phänomen nachspüren, ob und wie gut das Gehör trainiert ist, um einzig und allein anhand von spezifischen Modulationsspezialitäten und Anzahl der Fadings etc. herausfinden zu können, welche Station wohl sich gerade in die Antenne verirrt hat... getreu der Fragestellung, ist dies nun tatsächlich Radio Taiwan/Taipei oder "nur" die Relaisstation Nähe Berlin, wie sie im "World Radio and Television Handbook" oder als DX-Tip irgendwo als solche aufgelistet sein mögen oder auch (noch) nicht.

Nicht nur für Sammler historischer Rundfunkapparate und von allem, was dazugehört, ist das unten angegebene Forum genau der richtige Fokus, nein, dort findet sich seit 2005 auch eine immer noch langsam aber stetig wachsende, gut mit Hintergrundinformationen und einer authentischen QSL-Karten-Präsentation versehene Sammlung von historischen Tondokumenten, Pausenzeichen, Rundfunkansagen und kurzen Mitschnitten, sowie Bandscans des terrestrischen LW-, MW-, KW- und UKW-FM-Empfangs neueren Datums. Auch Audiobeispiele von Sonderstationen, wie von Längstwellensendern, Radio Norddeich und für mustergültigen Amateurfunk-Verkehr sind dort vertreten.

Es braucht nicht besonders betont zu werden, daß der Autor dieser HP dort registriertes Mitglied ist.

Audiobeispiele-Übersicht des Schweizer Radiomuseums von Ernst Erb

Vorbemerkung:
Einige im folgenden aufgeführte Audiobeispiele konnten leider aufgrund fehlender Freigabe durch den Audio-Seiten-Admin nicht in das oben erwähnte Radiomuseum eingestellt werden. Die Begründung der Ablehnung wird hier durchaus akzeptiert: In einem Radio-Forum sollten auch sporadische Guest-User, die mit der Technik vielleicht nicht ganz so vertraut sind, um strenger differenzieren zu können zwischen Authentizität und Simulation oder Spekulation, nicht etwa irregeführt werden können.
Dennoch möchte der Autor dieser HP diese "verworfenen" Audiobeispiele trotz - oder gerade wegen - ihrer qualitativen Mängel und wegen ihres potenziell eine Diskussion unterstützenden Charakters hier nicht vorenthalten.
Dies gehört halt auch zum Kurzwellenhobby, nicht zu verschweigen, daß auch der analoge Empfang manchmal nicht so gut war und immer sein kann, und aufzuzeigen, daß moderne technologische Entwicklungen, die Digitalisierung, nicht immer unbedingt - wie geplant - den an sie gestellten höchsten Anforderungen in vollem Umfange überall gerecht werden können, also keineswegs als vollständig abgeschlossen zu betrachten sind.

Colonius Fernmeldeturm ab 1989, Köln, Innere Kanalstrasse

Colonius bekommt erste VHF-Kanal-11-Fernsehantenne (analog) verpaßt. Zweiter Anlauf November 1990; erster Montageversuch mußte wegen stürmischer Wetterlage abgebrochen werden.

Ab jetzt erst darf sich Colonius "Fernsehturm" nennen.



Beispiele für Empfangsbeeinträchtigungen bei Überlagerung
durch andere Rundfunkstationen (Frequency Congestion):

Beispiel für überlagerten Kurzwellenempfang
mit starkem "Sidebandsplash" und bei Quasi-Gleichkanalbelegung:

Station: Radio Kabul/Afghanistan
Aufnahmejahr: 1965
Frequenz: 15225 kHz = 19 Meterband (50 kW Sendeleistung)
Aufnahmequalität des Amplitudenmodulationsempfangs digital nachbearbeitet, d. h. größere Pegelschwankungen und Schaltkracher eliminiert, Frequenzspektrum nach oben begrenzt.

  • Audiobeispiel(1)...AM mit Überlagerung
  • Beispiel für stärkste Beeinträchtigung des Kurzwellenempfanges
    durch Gleichkanalbelegung und Störsender:

    Stationen: RadioAfghanistan/Kabul, (BBC London)
    Frequenz: 9635 kHz = 31 Meterband
    Richtstrahler: Europa - (Osteuropa)
    Aufnahmedatum und -zeit: 18. April 1992, gegen 18:57 UTC
    Empfangsort: Köln
    In diesem Audiobeispiel ist so ziemlich alles an Störungsmöglichkeiten des analogen Kurzwellenempfangs, wie sie in der Praxis auftreten können, enthalten:
    Mehrere Stationen arbeiten auf fast genau derselben Frequenz. Man hört neben kurzzeitig auftauchenden Telegrafiesendern dann noch mehrere Störsender. Es entsteht durch geringstfügige Frequenzunterschiede zweier, auf fast gleicher Welle arbeitenden Stationen eine schnelle, fadingartige Signalschwankung.
    Dieses Audiobeispiel(2) soll aufzeigen, daß bei Amplitudenmodulation beide hauptsächlich zu empfangende Sender abwechselnd je nach momentanem Empfangspegel und Modulationsinhalt mehr oder weniger gut vernehmbar bleiben. So ist die Stationsansage "Hier ist...Radio Afghanistan" deutlich in der kurzen Modulationspause der BBC im Zeitabschnitt der Zeitzeichenaussendung zu vernehmen. Nur hier wurde die Lautstärke im Audiofile kurzzeitig um ca. 260 Prozent erhöht.

    Kurz nach Beginn des Audiobeispiels(2) wurde die Bandbreite des Empfängers (Sangean ATS803A/Siemens RK651) von schmal (Sprache) auf breit (Musik) umgeschaltet, um die Musikwiedergabe zu verbessern.
    Empfangspegelunterschiede blieben mit Ausnahme zum Zeitpunkt der Senderkennung diesmal in der digitalen Nachbearbeitung unangetastet, um auch die enormen Verzerrungen, bedingt durch "Propagation Disturbance", einmal besonders zu verdeutlichen.
    (Es wurde übrigens praxisnah mit eingebauter Teleskopantenne gearbeitet, mit Richtaußenantennen hätte die BBC London sicher stärker ausgeblendet werden können. Ganz nebenbei: das Programm der BBC war auch ziemlich interessant, hier wurden Texte von Michael Jackson's Songs in Englisch und Russisch näher erklärt...)

  • Audiobeispiel(2)...AM mit Gleichkanalbelegung


  • Beispiele für Empfangsbeeinträchtigungen durch
    sogenannte atmosphärische Störungen:

    Beispiel für starke Beeinträchtigung
    des Kurzwellenempfanges durch "Aurora-Effekt":

    Station: Deutsche Welle, Sender Jülich (100 kW Sendeleistung)
    Frequenzbereich: 19 Meterband
    Richtstrahler: Südamerika/Nordamerika-Ost
    Aufnahmejahr: Frühjahr 1989
    Empfangsort: ca. 50 km südöstlich vom Sender
    Man vernimmt deutlich ein innerhalb von wenigen Minuten stark anschwellendes Rauschen, das sich zu einem Tosen auswächst. Man glaubt dann tatsächlich hören zu können, wie die geladenen Teilchen der Sonne auf die Jonosphärenschichten prasseln. Etwas später verschwindet dieser Spuk wieder, das Fading wird zwar ein wenig langperiodischer, ist aber immer noch derart stark, daß sich besonders das Pausenzeichen der Deutschen Welle vor Beginn der Nachrichten so anhört, als ob ein Fehler im Radio oder Aufnahmegerät mit extremen Gleichlaufschwankungen vorläge, was nicht der Fall war, wofür sich der Autor hier verbürgt.

    Man sollte noch bemerken, daß die wie eine überdimensionale, vertikal-polarisierte Yagi-Fernseh-Antenne aussehende Richtantenne mit etwa 10 Grad "Schielwinkel" bewußt auf die Fortpflanzung der Raumwelle abzielte, so daß der Pegel außerhalb des "Beams" bereits in 3 Kilometern Abstand in Bodennähe praktisch so stark abgedämpft war, daß dieses Programm der Deutschen Welle in Köln normalerweise kaum zu empfangen gewesen ist. Lediglich der Ort Jülich selbst hatte dann zeitweise gewisse EMV-Probleme im Fernseh-Bereich. "Kuchenbleche" neben den Fernsehantennen auf den Dächern zeugten von "Abschirmversuchen".

  • Audiobeispiel(3)...AM mit "Aurora-Effekt"
  • Transäquatorialer und transkontinentaler Rundfunkempfang in AM
    auf höheren Kurzwellenbändern bei guten Bedingungen:

    Station: Radio RSA (Sendeleistung 300 kW)
    Aufnahmejahr: Herbst 1990
    Zeit: gegen 17:30 UTC
    Frequenz: 25760 kHz, 11-Meterband
    Richtstrahler: Europa

    Entgegen der Ansage am Ende des Programms wurde nicht auf 25790 sondern 25760 kHz gesendet.

  • Audiobeispiel(4)...AM... Musik mit etwas stärkerer "Propagation Disturbance"
  • Station: Radio Australien (Sendeleistung 300 kW)
    Aufnahmedatum: 15. Dezember 1991
    Zeit: gegen 23:55 UTC
    Frequenz: 21720 kHz, 13-Meterband
    Richtstrahler: Indischer Subkontinent, Mittlerer Osten

  • Audiobeispiel(5)...AM... Musik mit passabler "Propagation Disturbance"
  • *Tagesprofil eines AM-Mittelwellensenders
    in etwa 450 Kilometern Entfernung*

    Station: Bayerischer Rundfunk, Programm Bayern 1, Ismaning
    Aufnahmedatum: 05. 02.1989
    Frequenz: 801 kHz (300 kW Sendeleistung/Quasi-Rundstrahler)

    Diese Frequenz in der Mitte des Mittelwellenbereichs weist sowohl Lang- als auch Kurzwellencharakteristk auf,
    tagsüber reicht die Bodenwelle noch weit, abends tritt der Raumwellenanteil stark hinzu.
    (Der Gleichkanalsender Nürnberg (17 Kilowatt) dürfte hierbei kaum ins Gewicht fallen.)
    Empfänger:
    Selena Euromatik mit zwei abstimmbaren Vorkreisen auf AM, multiplikativem Mischer, eingebauter Ferritantenne. Sehr geringe lokale Rundfunkstörungen zu der Zeit.

  • Empfang der Bodenwelle mittags, 11:30 bis 14:30

  • Empfang der Bodenwelle nachmittags, 15:30
    und 17:25 Hinzutreten der Raumwelle

  • guter Empfang Raumwelle gegen 17:54

  • Skip der Raumwelle gegen 18:00

  • Umschalten der Antenne auf Nachtbetrieb, wobei Ausblendung in Richtung Nord-Osten (35 Grad) mit zweitem passivem Sendemast notwendig, um den Gleichkanalsender "Leningrad" (2000 Kilowatt) nicht zu stören. In umgekehrter Richtung: man hört schon in der Umschaltpause das Pausenzeichen von "Radio Moskau" sehr deutlich. - Der zweite Sendemast vom BR Welle 801 wurde mittlerweile abgerissen, weil bei Leistungsreduzierung auf 100 Kilowatt eine Ausblendung in Richtung Nord-Osten nicht mehr gefordert wird.

  • Wiederkehr der Raumwelle mit Anteilen aus F1- und F2-Schicht,
    18:48 und 18:57 mit starker Propagation Disturbance

  • 2. Skip... "Fading" 19:52 und F-Schichten wachsen zusammen

  • hauptsächlich ein Raumwellenanteil mit Fading

  • ...nur noch eine F-Schicht und "Überreichweitenempfang" und Skip-"Fading" ab etwa 20:00

  • ...stärkere Gleich-und Nachbarkanäle sind nun zu empfangen (Radio Amman, Jordanien),

  • ...stärkere Gleich-und Nachbarkanäle sind zu empfangen, auch Sidebandsplash stärker hörbar, 22:00 bis 23:00

  • Anmerkung:
    Heutzutage wird über diesen Sender mit Leistungsreduzierung auf 100 Kilowatt das Programm von on3-radio übertragen.

    * Gegenüberstellung analog versus digital: *

    Amplitudenmodulation:

    Station: Radio Kabul/Afghanistan
    Aufnahmejahr: 1972
    Frequenz: 15265 kHz = 19 Meterband (100 kW Sendeleistung)
    Aufnahmequalität des Amplitudenmodulationsempfangs digital nachbearbeitet, d. h. größere Pegelschwankungen und Schaltkracher eliminiert, Frequenzspektrum nach oben begrenzt.

  • Audiobeispiel(6)....Original in AM

  • Aufnahmequalität einer "nachempfundenen" DRM-Digitalmodulation:

    Simulation, d. h. Audiobeispiel(6) (AM) wurde digital nachbearbeitet mit extremer Rauschunterdrückung und Kompression.
    Wird eine definierte Lautstärke unterschritten, was den fadingbedingten Empfangspegelschwankungen und Trägerabsenkungen entspricht, bricht die Wiedergabe mit "Nachpufferecho" ab.
    Dabei wird das Musikstück leider bis zur Unkenntlichkeit zerhackt.
    Dies käme der tatsächlich zu erwartenden digitalen Empfangsqualität wohl nahe, hätte dieser Sender damals schon mit DRM-Technik gesendet.
    Man kann sich also unmittelbar nach Abhören des AM-Audiofiles(6) mit derselben Musik-Darbietung leicht selber ein akustisches Urteil vom Unterschied bilden und wird wahrscheinlich zur gleichen Überzeugung kommen, wie der Autor dieser HP.
    Im weiter unten folgenden echten Empfangsbeispiel "DRM-Audiobeispiel(8)" wird es noch deutlicher demonstriert, was hiermit gemeint sein soll.

  • DRM-Audiobeispiel(7)...Achtung ! Simulation, kein Original
  • Aufnahmequalität des Kurzwellendienstes von Radio Kuwait
    im sogenannten "robusten" Modus bei DRM:

    Auffällig ist vor allem nicht etwa der bei Digitalisierung gemäß der Werbung zu erwartende deutlich bessere, vielmehr enttäuschenderweise eher ein wie bei AM auf schmal eingesteller Bandbreite (Sprache) eingeschränkte Frequenzumfang (etwas bessere Telefonqualität), allerdings noch zusätzlich versehen mit von stark komprimierter MP3-Wiedergabe her bekannten Artefakten, also Geklingel, Gewappere und Gewoofere. Das liegt an der zum Zeitpunkt der Aufnahme verwendetem Modus und Codec und wird auch anderweitig bestätigt, daß dann die Empfangsaudioqualität gegenüber AM schlechter ist.
    Dann kommen als sehr störender Effekt die relativ lang andauernden Totalaussetzer hinzu, obwohl die Sendeleistung beträchtlich ist. Das Musikstück wird noch schlimmer, als dies im vorherigen Simulationsbeispiel der Fall ist, bis zur Unkenntlichkeit zerstückelt.

    Dieses Audiobeispiel stammt nicht vom Autor dieser HP, denn dieser verfügt bislang über kein DRM-taugliches Empfangsgerät oder entsprechende PC-Software (Dream).

  • DRM-Audiobeispiel(8)..."robuster" Modus
  • Gegenüberstellung AM (analog) versus DRM (digital)
    - ein Fazit:

    Diese akustische Gegenüberstellung von herkömmlicher Amplitudenmodulation und moderner Digital-Radio-Mondiale-Modulation zeigt deutlich deren Unterschiede. Es soll im folgenden noch weiter ausgeholt werden, um das Zustandekommen diverser, beim Radioempfang hörbarer Effekte besser einordnen zu können:

    Das Prinzip der "drahtlosen" Übertragung:

    Hochfrequente elektromagnetische Wellen, also das physikalische Konstrukt, mit dem sich Informationen über größere Distanzen hinweg ohne irgendwie geartete Kabel "drahtlos" übertragen lassen, breiten sich im Normalfalle mehr oder weniger kugelartig um die Sendeantenne herum aus, wobei nach Maxwell'scher Verschiebungsgleichung ein elektrisches Feld Ursache für ein magnetisches ist, welches wiederum ein elektrisches erzeugt und so fort. Mit dem Poynting'schen Vektor läßt sich die Ausbreitung der Wellen und deren Geschwindigkeit ( - in Luft und Vakuum also mit Quasi-Lichtgeschwindigkeit, somit auch der Zusammenhang zwischen Wellenlänge und Frequenz -) mathematisch genauer beschreiben. Je weiter man von der Sendeantenne entfernt ist, umso mehr vergrößert sich der Radius der "Kugelwellen", so daß im Fernfeld die Wellenzüge praktisch eine geradlinig verlaufende Ebene beschreiben, die sich bis zum Horizont und darüber hinaus in den Weltraum erstreckt. Dabei schwächt sich das vom Sender stammende Signal - grob gesagt - mit dem Quadrat der Entfernung ab.
    Beim Empfang erzeugt der magnetische, beziehungsweise elektrische Anteil in der Antenne des Radios eine dem Sendersignal folgende Induktionsspannung, die verstärkt und im Lautsprecher höbar gemacht werden kann.

    Die Reichweite, Ausbreitungsbedingungen:

    Die theoretische Reichweite des Senders ist also abhängig von der Höhe der Sendeantenne, der Höhe der Empfangsantenne und dem Erdradius. Bei circa 150 Kilometern ist hier aber der berühmt-berüchtigte "Bretterzaun" und das "Ende der Welt" erreicht, zumindest was den UKW-FM- und Fernsehempfang anbelangt.
    Trotzdem können die Radiowellen zumindest ein bißchen weiter als kurz hinter den optischen Horizont reichen, denn bei großen Wellenlängen findet eine gewisse "Beugung" an der Erdoberfläche statt. Diese ist sehr stark von der Sendeleistung und dem Gelände abhängig, was die sehr hohen Leistungen bis in den Megawattbereich hinein bei bestimmten Langwellen-Großsendern erklärt, denn man kalkuliert hierbei weitestgehend mit dem "Bodenwellenempfang", der aber "über Land" meistens 500 Kilometer nicht überschreitet. Ultrakurze Wellen werden manchmal bei bestimmten Witterungsverhältnissen von besonderen Wolkenformationen in Art eines sogenannten "Ducts" geführt und zur Erde zurückgespiegelt. Das ist aber eine äußerst unsichere Angelegenheit, und darauf kann man sich beim Rundfunk praktisch nicht verlassen.

    Ist ein Rundfunksender nun weit darüber hinaus in mehreren tausend Kilometern Entfernung noch empfangbar, müssen diese Wellen also noch von irgendetwas anderem reflektiert, beziehungsweise auf die Erde zurückgebrochen worden sein.
    Man fand heraus, daß dafür hauptsächlich elektrisch aufgeladene Schichten der Jonosphäre verantwortlich sind. Diese Reflexionsbedingungen sind starken Schwankungen unterworfen je nach verwendeter Frequenz, Tages- und Jahreszeit, sowie Sonnenfleckenzyklus, der sich etwa alle 11 Jahre wiederholt. Zu Zeiten hoher Sonnenaktivität können die Bedingungen innerhalb kurzer Zeit von sehr schlecht nach sehr gut wechseln. Einem "Jonosphärensturm", bei dem der Weitempfang praktisch vollständig zum Erliegen kommt, folgen meistens aber wieder hervorragende Verhältnisse mit "Öffnung" auch höherfrequenter Bereiche, die sonst kaum nutzbar sind. Auch können die einmal auf die Erde zurückgeworfenen sogenannten "Raumwellen" von der Erde wieder in den Jonosphärenbereich reflektiert werden und so weiter, so daß auch mehrere sogenannte "Hops" möglich sind. Bei sehr guten Bedingungen kann die Anzahl der Sprünge so groß werden, daß ein starker Sender am Empfangsort mit etwa einer Siebtelsekunde Verzögerung zweimal, als Echo hörbar, ankommt, weil die Radiowellen dann einmal über das Zielgebiet hinaus ganz um den Erdball herumgelaufen sind. Ebenso können Mehrfachreflexionen an verschiedenen Schichten der Jonosphäre vorkommen, wodurch Laufzeitunterschiede entstehen, die unterschiedliche Effekte auslösen können: unter anderem auch Dopplereffekt, Verdrehung der Ebene der Wellenfronten, also "Polarisationsebenendrehung". Je nach Lokation des Senders spielt hierbei auch das Erdmagnetfeld eine gewisse Rolle.
    Man unterscheidet bei den Jonosphärenschichten die D-Schicht, die mit der direkten Sonneneinstrahlung auf der Tagseite einen stark dämpfenden Einfluß hat und ab etwa 80 Kilometern beginnt, dann die E-Schicht, die zwischen D- und den F-Schichten liegt. Letztere unterteilen sich in die F1-Schicht mit Beginn etwa 300 Kilometer und die F2-Schicht ab etwa 500 Kilometern Höhe, wobei beide F-Schichten abends zu einer einzigen F-Schicht verschmelzen können. Man sieht, die Sache wird höchst interessant. Die F-Schichten sind sozusagen für den Weitempfang "zuständig".

    Ausbreitungs-Effekte, Ursachen und Wirkung bei AM:

    Man hat demnach bei Weitempfang über Kurzwelle in Abhängigkeit von den jeweiligen Ausbreitungs- und Reflexionsbedingungen und der Anzahl der "Hops" fast immer mit periodisch wiederkehrenden Veränderungen der vom Sender ausgestrahlten elektromagnetischen Signale zu rechnen.
    Dies macht sich bei Amplitudenmodulation unter anderem bemerkbar durch "Fading" - Lautstärkeschwankungen mit weichen Übergängen, wenn bei definiertem Phasenversatz alle vom Sender ausgestrahlten Signal-Komponenten gleichermaßen in der Summe der Momentanwerte an der Antenne des Empfängers eine Addition oder Subtraktion erfahren.
    Diese Addition wirkt sich dabei konstruktiv aus, also pegelerhöhend, die Subtraktion destruktiv, demzufolge empfangspegelerniedrigend bis zum völligen Verschwinden im Rauschpegel.
    - Und man spricht von "Propagation Disturbance", "selektivem Fading" - Ton-Verzerrungen in Form von starkem Klirrfaktoranstieg bei Trägerauslöschungen, einer Art von relativer "Übermodulation", wenn lediglich genau die Trägerfrequenz in der Summe der eintreffenden Wellen einen 180-Grad-Phasenversatz erfährt, oder zusätzlich noch von Verfälschung des NF-Spektrums, wenn nur einzelne Frequenzen der bei der Modulation enstehenden beiden Seitenbänder jeweils für sich von einer Auslöschung betroffen sind. Diese Vorgänge sind dann derart ständig in Bewegung, daß der NF-Frequenzgang in etwa so variiert, als ob ein dynamisches "Kammfilter" mit ständig sich ändernden Filtereinsatzfrequenzen Verwendung fände.

    Aber auch bei Mittelwelle - ja sogar bei Langwelle bisweilen - können diese Effekte, bedingt durch Interferenzen zwischen Bodenwelle - und vor allem bei abends hinzutretendem Raumwellenanteil, ebenfalls mit einer für sie ganz typischen Charakteristik auftreten, wenn auch hier das längerperiodische "Fading" vorherrscht. Dieser Problematik der Verzerrungen durch selektives Fading im Mittelwellenbereich mußte man sich aber vor allem erst ab dem Zeitpunkt gegenübergestellt sehen, als auf Frequenzen ab etwa 900 Kilohertz und höher mit wesentlich mehr Sendeleistung gearbeitet wurde, als für Bodenwellenempfang im Zielgebiet eigentlich völlig ausreichend wäre. Gerade im Bereich etwa 50 bis 150 Kilometer um einen starken Mittelwellensender herum produzieren diese Interferenzen zwischen Boden- und Raumwelle während der Nachtstunden periodisch wiederkehrende stärkste Verzerrungen (Stichwort: Europawelle Saar, Welle 1422, Sendeleistung 1600 Kilowatt).

    Diesen sogenannten "Nahschwund" konnte man auch durch besondere Antennenkonstruktionen nicht vollständig eliminieren. So besteht beispielsweise der Sendemast des BR1 (801 kHz) aus zwei elektrisch isoliert übereinander montierten Rohren, bei denen der obere Teil im Nachtbetrieb zur Verflachung des Abstrahlwinkels und damit Verminderung des Raumwellenanteils im Nahbereich mit definiertem Phasenversatz gegenüber der Einspeisung des unteren Teils anmoduliert wird. Trotzdem kommt es in Bayern selbst zu diesen Verzerrungen im Empfang, während der Weitempfang über den "flachen" Raumwellenanteil gut ist.

    Bei Sendern, die erfahrungsgemäß mit starkem "selektivem Fading" eintreffen, kann man solche Verzerrungen oft wirksam vermindern, indem man den Empfänger von vorne herein auf Einseitenbandempfang einstellt, wobei die periodisch teilweise oder vollständig ausgelöschte Trägerschwingung im Empfänger selbst durch einen lokalen Beat-Frequency-Oszillator (BFO) erzeugt und im Mischer oder Demodulator zugesetzt wird.

    Akustischer Vergleich hierzu:
    Radio Rumänien auf 7320 kHz (27. November 2009, gegen 19:20 UTC) simultan mit zwei Empfängern einmal in Modus AM und zum anderen im Modus SSB mit BFO aufgezeichnet.
    Dabei wurde willkürlich eine Passage hier aus beiden Aufnahmen zusammengemischt, um die Verbesserung bei SSB-Empfang besonders zu verdeutlichen. An dieser Stelle wurde das Wort "...mit..." durch selektives Fading bzw. Trägerauslöschung in AM völlig unverständlich, in SSB ist es aber deutlich zu verstehen.
    Es leuchtet also ein, daß SSB für Sprachübertragungen gewisse Vorteile bietet, was bei Musikwiedergabe aber nicht zutrifft. Mehr dazu hier.

    Ausbreitungseffekte, Wirkung bei DRM:

    Bei DRM führen diese Ausbreitungseffekte zu Artefakten und peridodisch völligem Aussetzen des Empfanges. Hier wird ja das ausgenutzte Frequenzspektrum in eine Vielzahl von kleinen Unterträgern mit verhältnismäßig sehr geringem Frequenzversatz zerlegt, denen dann einzelne Layer, Bits und Bytes im Codec zugeordnet werden. Das ausbreitungsbedingte Absenken oder ein noch so kleiner Phasen-Versatz einzelner Unterträger und Komponenten zueinander im Modulationsspektrum kann hierbei zu nicht unerheblichen Beeinträchtigungen im Decodiervorgang führen. Dem konnte man durch Modifikation des Codecs auf "robusten" Modus, stärkere Datenkompression, Verringerung der Anzahl der Unterträger von 208 auf 88 bis dato nicht befriedigend genug abhelfen. Die ausbreitungsbedingten Störgrößen sind oft derart komplex, daß nicht allen Imponderabilien, denen die hochfrequente Welle auf ihrem Weg vom Sender bis zum Empfänger ausgesetzt ist, vom Codec oder einer intelligenten Software begegnet werden kann.

    Terrestrisches Digitalfernsehen hingegen bringt Verbesserungen:

    Man hat es ja, wie übrigens zum Beispiel beim DVB-T-Digitalfernsehen auch, sozusagen mit einer Einbahnstraße vom Sender zum Empfänger zu tun. Beim terrestrischen Digitalfernsehen findet man aber im Gegensatz zum Kurzwellenweitempfang weitestgehend konstante Empfangsbedingungen mit geringerer Entfernung zwischen Sendern und Empfängern vor und kann von fast ungestörtem Empfang ausgehen. Sogar auftretende Reflexionen des Sendersignals, die beim Analogfernsehen unscharfe Konturen und Schatten im Bild bewirken, konnten durch geeignete Wahl des Guard-Layers hier beim DVB-T praktisch eliminiert werden. Hier hat die Digitalisierung unbestreitbar zu einer Verbesserung der Empfangsqualität bei gleichzeitiger Erhöhung der Programmvielfalt und damit Einsparung von Sendefrequenzen und -leistung geführt, allerdings nicht "überall", wie es die Werbung versprach. In abgelegenen Tälern und bei zu großer Entfernung zum Sender bleibt der Empfang des "Überallfernsehens" leider oft aus.

    "Feedback" fehlt bei schwankenden Empfangsbedingungen:

    Bei ausbreitungsbedingt schwankenden Reflexionsbedingungen und Empfangssituationen wäre aber eigentlich ein ständiger Dialog zwischen "Transmitter" und "Receiver" vonnöten, um Störungen auf der Empfangsseite analysieren und vielleicht besser in den Griff bekommen zu können. Diese Datenflußkontrolle, wie bei der sonstigen digitalen Übertragung zum Beispiel im Internet üblich, kann hier aber leider aus leicht verständlichen Gründen über solch große Distanzen hinweg - wie bei Kurzwelle anzutreffen - nicht stattfinden. Es können "verlorengegangene" Datenpakete im "eindimensionalen" "Streaming" nicht einfach vom "Receiver" neu angefordert werden, mit Datenverlusten muß demnach irgendwie anders umgegangen werden, beziehungsweise sind unvermeidbar.

    DRM störanfälliger als AM bei Zimmerantennenempfang:

    Beim in der Praxis häufig anzutreffenden Zimmerantennenempfang mit im Gerät eingebauter Teleskop- oder Ferritantenne kann die Empfangsqualität auch von lokalen Störungen durch die Vielzahl der heute im Haushalt verwendeten elektrischen und elektronischen Geräte so stark beeinträchtigt werden, daß ein Empfang ständig von Störgeräuschen untermalt, wenn nicht gänzlich unmöglich wird. Flächendeckend machen sich diese Rundfunkempfangsstörungen deutlich bemerkbar durch Verwendung von Mobiltelefonen, PLC (Power Line Communication - Internet aus der Netzsteckdose -), von besonders in Mode gekommenen Großbildschirm-Fernsehern, unfachmännisch installierten Satellitenempfangsanlagen, Schaltnetzteilen, PC-Gehäuse-Modding, Phasenanschnittssteuerungen (Dimmer) und nicht zuletzt im Zuge des schrittweisen Ersatzes von konventionellen Vorschaltgeräten bei Leuchtstofflampen und Halogenstrahlern durch elektronische sowie von Glühlampen durch Energiesparlampen von ebendiesen mit ihren nahezu unkalkulierbaren, breitbandigen Störspektren.

    Die Zeiten sind in dieser Hinsicht gewiß nicht besser geworden, und das damalige Fernmeldetechnische Zentralamt hat lange auf Kabelanschluß als Problemlösung hingewiesen. Entsprechende Störungsmeldungen an die Behörden blieben meistens ohne den gewünschten Erfolg, führten damals umso mehr zur Verärgerung.
    Heute sind sich die Regulierungsbehörde Telekommunikation und Post und die BundesNetzAgentur allerdings in verstärktem Maße bewußt, daß ungestörter Rundfunk- und Fernsehempfang nicht nur auf dem UKW-FM-Bereich und dem Breitbandkabel möglich sein muß, daß vielmehr auch die anderen Rundfunkbereiche geschützt werden sollen, insbesondere Amateurfunkbänder, und verfolgt in letzter Zeit wesentlich rigoroser Störungsmeldungen und Konfliktfälle, die sich aus bestimmten, regional unterschiedlichen Situationen ergeben können. Das ist eine bemerkenswert positive Entwicklung.
    WDR berichtete über Funkstörungen durch Plasmafernseher

    Ein Kabelanschluß bot vor zehn, fünfzehn Jahren allerdings auch keine absolute Garantie für völlig störungsfreien Empfang, wie es dieses Mobiltelefongeknatter -Beispiel zeigt.
    (Einmal bei SWF-3 Direkteinstrahlung in den HF-Teil des Receivers - zum andern Einstreuung in Lautsprecherleitungen -Aufnahmejahr 1995.
    UHF-Einstreuungen dieser Art lassen sich nur sehr schwer wirkungsvoll verhindern, denn diese Mobiltelefon-HF dringt sogar durch herkömmliche Abschirmbleche hindurch und produziert im Innern des sonst hermetisch abgeschirmten Tuner-Moduls ein kaum kalkulierbares Sekundärfeld. Unter Umständen wird ein empfindlicher Tuner dabei sogar zerstört.
    Wenn das obige Audiobeispiel auch aus den Anfängen des Mobilfunkbooms stammt, wo die Netzversorgung noch nicht so flächendeckend wie heute war, demzufolge die Mobiltelefone meistens mit höherer Sendeleistung zum Verbindungsaufbau und der Aufrechterhaltung der Funkstrecke arbeiteten als heute, muß doch bedauerlicherweise heute immer noch festgestellt werden, daß derartige Einstrahlstörungen sogar während Lautsprecherdurchsagen in S- und U-Bahnen, ICEs und anderswo auftreten, ohne, daß man dagegen entschiedener vorgeht. (Entsprechende Audiobeispiele en mass liegen vor.) Wäre es vor fünfzehn, zwanzig Jahren zu solchen Beeinträchtigungen gekommen, wären die Geräte sofort beschlagnahmt worden.
    Warum eine Aufhebung des Mobiltelefonverbots in Flugzeugen erfolgte, bleibt dem Autor dieser HP allerdings irgendwie unverständlich. Die Automobilindustrie hat mit Technik darauf reagiert, indem sie bei Verwendung eines Mobiltelefons per Freisprecheinrichtung für das eingeschaltete Radio eine Stummschaltung vorsieht.
    Die Kabelnetzbetreiber haben zwischenzeitlich ihre Netze und Anforderungen an die Inhouseverkabelung den Erfordernissen besser angepaßt. Auch hier sind mithin die Dinge im Fluß.

    Wenn bei solch kabel-optimierten Empfangsbedingungen schon mit Beeinträchtigungen zu rechnen ist, wie erst beim Zimmerantennenempfang entfernterer Kurzwellensender ?

    Schon in den Anfängen des Rundfunks wurde man sich sehr schnell der Störungsproblematik bewußt. Die meisten der im folgenden aufgezeigten Entstörmaßnahmen wurden zwar in der Folgezeit in die Produktionsnormen der Elektrogeräteindustrie übernommen, aber trotzdem sind viele davon nicht ausreichend genug, um eine weitestgehende Störungsfreiheit zu garantieren, obwohl dies durchaus machbar und wünschenswert wäre. Kurzzeitige Impulsstörungserzeuger bleiben bis zum heutigen Tage oft ohne den Entstörsatz, der den Gerätepreis nicht wesentlich verteuerte. Beispiel Kühlschrankaggregat.

    Es liegt im Kern auch die Überlegung zugrunde, ob nicht eine deutlich spürbare Energieeinsparung, eine Reduzierung der Leistung auf Seiten der Rundfunksender erst dann praktikabel wird, wenn vorher der "Störnebel" in unseren Städten und Behausungen im Idealfalle völlig gelichtet ist, und so auch geringere Feldstärken zum guten Empfang ausreichen würden. Wie sonst ist ein Mittelwellensender noch in etwa 450 Kilometern Entfernung fast störungsfrei zu empfangen gewesen, wie es das Beispiel zeigte?: Weil zu dem Zeitpunkt potenzielle Störer ausgeschaltet, beziehungsweise besondere Störergruppen, wie zum Beispiel Mobiltelefone, noch nicht verfügbar waren.
    Leider muß man konstatieren, daß diese Frequenzbereiche heutzutage allzuoft noch vernachlässigt werden, was sich ändern muß und wird, sollen diese Bereiche wieder interessant werden.

    Gerade DRM scheint auf diese Art "lokaler", hausgemachter Störungen besonders empfindlich zu reagieren, weil der Empfang auf Impulsmuster ausgelegt ist, der Codec leicht durcheinandergebracht werden kann, obwohl gerade auch AM im Gegensatz zu UKW-FM auf Amplitudensprünge störanfällig ist, besonders auf Schaltkracher, die zu kurz sind, um vom Demodulator integriert und zur HF-Verstärkungs-Abregelung verwendet werden zu können. Auch UKW-FM ist bei Zimmerantennenempfang oft nicht verzerrungsfrei, bedingt durch sogenannten Mehrwegeempfang und Reflexionen. Bei Digitalempfang kommt es hierbei unter Umständen zu Totalaussetzern.

    Es gibt da bei DRM also keine weichen Übergänge zwischen gutem und beeinträchtigtem Empfang mehr. Alles oder nichts, entweder voller Empfang oder völlige Stummschaltung. Bei stotterndem Empfang ist die Toleranzgrenze des Zuhörers wohl bald erreicht.
    Fast ausnahmslos alle DRM-und-DAB-Empfangsgeräte-Hersteller sprechen daher die Empfehlung aus, bei "stotterndem" Empfang möglichst Außenantennen zu verwenden. Dies steht aber im Widerspruch zum meistens anzutreffenden, ursprünglich vom Käufer angedachten Verwendungszweck der Empfänger als unkompliziert zu handhabende, mobile Zweitgeräte oder Küchenradios ohne besonderen Antennenaufwand.
    Bei AM kommt man noch mit 5 kHz Kanalraster-Bandbreite aus,
    bei DRM benötigt man im Vollmodus schon 12 kHz, also mehr als das Doppelte.
    Allein durch die Notwendigkeit einer größeren Bandbreite und definiert einzujustierender Empfangsfrequenz wird die Gefahr erhöht, diskrete Störamplituden nicht mehr wegfiltern zu können, sei es auch nur durch leichte Verstimmung, wie es bei AM durchaus noch möglich ist.

    DRM-Codec praktisch unbrauchbar bei ungünstigen Bedingungen:

    Mit solch starken Quasi-Gleich- bzw. Nachbarkanalstörungen, wie sie in obigem Audiobeispiel(1) und Audiobeispiel(2) vorhanden sind, käme der Codec von DRM nicht mehr klar, man hörte garnichts mehr, weder den einen noch den Nachbarsender. Dasselbe gälte auch für Empfang während des seltenen Ereignisses eines Jonosphärensturmes, wie er zufällig im Frühling des Jahres 1989, im Jahr mit bislang stärkster verzeichneter Sonnenaktivität, aufgenommen werden konnte im Audiobeispiel(3) . Bei AM ist aber hierbei immerhin, wenn auch stark verrauscht und zerfleddert, kaum etwas vom Informationsinhalt verlorengegangen - trotz extremer Ausbreitungsbedingungen. Die Kontinuität des Empfanges ist an keiner Stelle unterbrochen gewesen, wenn auch eine Kürzung im Audiobeispiel(3) hernach erfolgte, um es nicht unnötig lang werden zu lassen. Ganz typisch auch die Jononsphärensituation am Tage danach, wo sich die Ausbreitungsbedingungen derart verbessert hatten, daß die Wellen mehrfach um die Erde herum reflektiert wurden und mit Echo-Zeitversatz an der Empfangsantenne eintrafen.

    Tja, so schien es wohl, wie der Barde Reinhard Mey so schön sang, eben nicht etwa schon "...Freitag der dreizehnte..." sondern erst "...zwölfter und Donnerstag..." gewesen zu sein, wann sein Lied begleitet wurde von spezifischer Aurora-Effekt-Klangqualität im Radio, Hauptsache aber ohne Stottern oder Totalausfall, könnte man schmunzelnd meinen, wenn man nicht im Nachhinein nach Ursachenforschung für diese Himmelserscheinung das Ganze wohl gar nicht mehr so lustig findet. Stichwort: Stromausfall in Canada, bedingt durch gigantische Sonneneruption.

    Notwendige Veränderungen:

    Das wiederum bedeutete zum einen, daß diese Frequenzbereiche radikal neu strukturiert werden müssten, was das Kanalraster anbelangte, um Störungen durch Gleich- und Nachbarkanäle weitestgehend von vorne herein zu eliminieren. Es würde die Anzahl der zur Verfügung stehenden "Kanäle" dann sogar noch verringert - anstatt sie zu erhöhen. Ist schon der Kanalabstand im amplitudenmodulierten Frequenzbereich bei Kurzwelle gegenüber Lang- und Mittelwelle mit ihren 7, 11, bzw. hauptsächlich 9 kHz in Europa auf nurmehr 5 kHz begrenzt und so schon lange etabliert, reichte der dann bei Einführung von DRM mit 12-kHz-Raster hierfür sicherlich nicht mehr aus. An diesem Umstand änderte auch eine von verschiedenen Seiten gelegentlich geforderte strikte Trennung von rein für AM und ausschließlich für DRM vorgesehene Frequenzbänder nichts.

    Disziplinlosigkeit in der Nutzung der Rundfunkbereiche:

    Nebenbei gesagt, man muß leider feststellen, daß sich nicht alle Kurzwellensender damals sklavisch an den 5-kHz-Abstand und maximale NF-Modulationsbandbreite von 2,5 kHz gehalten hatten. - Wie sonst wären im Audiobeispiel(1) der enorme "Sidebandsplash", ein Störsendersignal und - last not least - das nervige unmodulierte Trägersignal mit ca. 210 bis 235 Hz Abstand zum Träger des gewünschten Senders zu erklären, was unter anderem auch zu einer wie durch Ringmodulator erzeugten "Mehrstimmigkeit" der Flötenmelodie führte. Dieser unmodulierte Träger verschob sich sogar im Verlaufe der Sendung in der Frequenzlage, so daß vermutet werden kann, daß hier die Station, die regulär erst eine halbe Stunde später auf derselben Frequenz ihr Programm beginnen sollte, schon "on the air" Einjustierungen unternahm, während dieselbe Frequenz noch belegt war.

    Demgegenüber ergab eine NF-Spektrumsanalyse des im Audiobeispiel(1) gewünschten Senders übrigens, daß dessen Modulation schlichtweg als vorbildlich zu bezeichnen ist. Die Trägerfrequenz war überdies auch quarzstabilisiert (deutsches Siemens- und EMT-Lahr-Equipment), ein Verreißen der Trägerfrequenz und das auch noch während der laufenden Ausstrahlung wäre also kaum möglich gewesen. Also an der Technik des gewünschten zu empfangenden Senders lag es sicher nicht, wenn er zeitweise so massiv gestört in Westeuropa hereinkam.-

    Mißbrauch der Wellenbereiche damals:

    In den späten Sechzigerjahren, aus denen das Audiobeispiel(1) stammt, herrschte halt noch so eine Art Wildwest-Mentalität auf Kurzwelle - aber auch auf Mittelwelle - vor, wo das Recht des Stärkeren galt. Zu damaligen Zeiten des "kalten Krieges", des Ost-West-Konfliktes, wurden die Kurzwelle darüberhinaus nicht selten quasi als Aufmarschgebiet diverser Propagandamaschinerien und die Jonosphäre für Versuche mit "Überhorizontradar" skrupellos mißbraucht. Da wurden dann Sender mit hauptsächlich politischem Inhalt mit Störsendern nahe des Zielgebietes beaufschlagt, die dann weitaus breitere Frequenzspektren als die vorgeschriebenen 5 kHz für sich beanspruchten. Jeder etwas ältere Kurzwellenhörer wird sicherlich die nicht selten den gesamten Kurzwellenbereich überdeckende "Woodpecker" -Radar-Störung mit ihren nervtötenden Zehntelsekundenimpulsen aus Charkow noch im Ohr haben. Einige weiterführende Publikationen darüber findet man hier.
    Stationen, die sich strenger an die Vorgaben der damaligen "Internationalen Telegraphenunion" hielten, hatten dann nicht selten das Nachsehen, wenn ihnen Frequenzen nahe den gestörten "Propagandasendern" zugeteilt worden waren, und der erwünschte Empfang dann zwangsläufig in Mitleidenschaft gezogen wurde.

    Das letzte dem Autor bekannte "Jamming" betraf den serbo-kroatisch/slowenischen Dienst der Deutschen Welle im Jahre 1992. Heute kommt es dagegen in Mode, Satelliten-Uplinks mit Störsendern außer Gefecht zu setzen.

    Sendeleistungserhöhungen als Folge:

    Schließlich führte das zur "Wattomanie" mit ihren sukzessiv erfolgenden gegenseitigen Sendeleistungserhöhungen. Während man in den Sechzigerjahren noch problemlos mit Sendeleistungen von 20 bis 50 Kilowatt einen weltumspannenden Auslandsdienst betreiben konnte, reichte hierfür später kaum noch das Zehnfache an Power aus.
    Zahlreiche "Wellenkonferenzen" brachten zwar ein wenig Verbesserung, vor allem im Mittelwellenbereich, prinzipiell bleibt aber die "Wellensalat"-Problematik auf Kurzwelle mit ihren enormen Reichweiten und "Überreichweiten" gerade zu Zeiten guter Ausbreitungsbedingungen bestehen.
    Es kann also nicht mit Gewißheit ausgeschlossen werden, daß auf diesen Wellenbereichen im Zuge des erhofften Revivals bei Umstieg auf Digitalisierung irgendwann einmal wieder das große Chaos ausbricht.
    Deutschland steuert im Gegensatz dazu konsequent einen seit 1986 begonnenen Kurs in Richtung Leistungsreduzierung und Optimierung der Sendeanlagen. Damit folgt es einem europäischen Trend: Die Gesamtsendeleistung auf Lang- und Mittelwelle betrug 1986 in Europa 118622 Kilowatt, 2001 92745 Kilowatt. In Deutschland: 1986 11970 Kilowatt, im Jahre 2001 nur noch 6930 Kilowatt. Und dieser Trend setzt sich fort.

    Daß die Sendeleistungen auch irgendwo an ihre Grenzen stoßen, gerade im Hinblick auf die EMV-Problematik in dicht bevölkerten Gebieten, sieht man daran, daß der Mittelwellensender Langenberg (Hordtberg) nun nicht mehr mit 1500 Kilowatt, sondern nur noch mit maximal 85 Kilowatt Sendeleistung arbeiten darf. Es konnte ein eindeutiger Zusammenhang zwischen Sendeleistung und Funktionsstörungen von Herzschrittmachern nachgewiesen werden, woraus die Konsequenzen gezogen worden sind. Ja, sogar die Kurzwellen-Programme der Deutschen Welle werden schon seit einiger Zeit ausschließlich über Relaisstationen außerhalb des Territoriums Deutschlands selbst abgestrahlt.
    Unmittelbar neben einem Mittelwellen-Sendemast können Feldstärken von über 200 Volt pro Meter entstehen, das sind Werte, die für den Menschen gefährlich werden, deswegen sind strahlende Sendeanlagen für Mittel- und Kurzwelle im Mindestabstand von 100 bis 250 Metern und mehr von bebautem Gelände zu errichten.

    Größtes Problem: Knapp bemessener nutzbarer Frequenzbereich,
    DRM bringt hier zusätzliche Probleme:

    Andererseits wird sich das in der Vergangenheit und jetzt wohl immer noch größte bestehende Problem auf Kurzwelle, nämlich der sehr knapp bemessene Platz auf denjenigen Rundfunkbändern, die - abhängig von den Jonosphärenbedingungen - besonders guten Empfang im Zielgebiet innerhalb eines sehr günstigen Zeitfensters vermuten lassen - mit Folge zeitweiser hoffnungsloser Überlagerung gerade zur "Prime Time"- durch Umschwenken auf DRM-Digitaltechnologie alleine also nicht lösen lassen, wird eher noch verschlimmert, vor allem in einer Übergangsphase, wo AM- und DRM-Sender sich zwangsläufig gegenseitig stören müssen, denn:

    Hinzu kommt noch, daß ein Digitalsender ständig mit der vollen Modulationsbandbreite arbeitet, während bei AM die tatsächlich beanspruchte Bandbreite vom Momentanwert der Modulation abhängig ist, so daß auch Stationen auf derselben Frequenz in deren jeweiligen Modulationspausen abwechselnd unter Umständen noch einigermaßen gut vernehmbar bleiben - wie es das Audiobeispiel(2)...AM mit Gleichkanalbelegung zeigt -, beziehungsweise starke Nachbarsender nur in Modulationsspitzen stärkere Störungen des gewünschten Senders verursachen, ist dies bei DRM in dieser Form keinesfalls mehr möglich.
    Wie groß die Pegelunterschiede mindestens sein müssen, damit eine mäßig stärkere Station eine andere, etwas schwächere auf derselben Frequenz völlig unterdrückt, beziehungsweise, ob und unter welchen Empfangspegeln sich zwei unmittelbar benachbarte DRM-Sender gegenseitig bei der Decodierung im Empfänger beeinträchtigen, ist bislang noch nicht unter realistischen Empfangsbedingungen in der Praxis flächendeckend ausreichend getestet worden. Festzustehen scheint aber, daß ein DRM-Empfangsdecoder besonders allergisch auf "Sidebandsplash" auch nur eines direkt benachbarten AM-Senders reagiert. Bei AM kann man sich da sehr schnell mit Umschalten auf Synchrondemodulatorbetrieb abhelfen, wobei dann nur das besser zu empfangende Seitenband gefiltert, eine Art BFO sich mit dem verbliebenen Rest-Träger synchronisiert. Bei DRM hingegen ist so etwas nicht vorgesehen. Eine oben bereits erwähnte strenge Trennung der Bereiche nach Modulationsart machte hierbei natürlich Sinn.
    Das wiederum bedeutet nun auch, daß vor allem an die Hochfrequenzstufen der Digital-Radio-Mondiale-Empfangseinheiten wesentlich höhere Anforderungen gestellt werden müssen in puncto Stabilität, als dies bei den herkömmlichen Radiogeräten heute noch der Fall ist.
    Würde man nun konventionelle Geräte mit den gleichen strengen Anforderungen in puncto Stabilität, wie bei DRM gefordert, bauen, könnte man auch gleich wieder die zweite Option der ursprünglichen Planung in die Praxis umsetzen, nämlich Umschwenken auf reinen Einseitenbandbetrieb und Synchrondemodulation im super stabilen Empfänger, jetzt mit doppelter Modulationsbandbreite, also 9 kHz, was eine nicht unerhebliche Tonqualitätsverbesserung bedeutete. Man könnte überdies zur Verbesserung auch eine Empfängersynchronisation über ein Pilottonsystem, wie vom UKW-FM-Stereodecoder her bekannt, vorsehen, dazu müssten, wie heute schon gängige Praxis, alle Sender ebenso referenzfrequenzgenau arbeiten. Diese Empfängerreferenzfrequenz könnte nun beispielsweise von einem starken lokalen Sender her abgeleitet werden.

    Da bis dato nur etwa fünfzigtausend DRM-Geräte weltweit verkauft wurden, harrt man der ungeschminkten Erfahrungsberichte aus einer Millionen-Hörerschaft, die auch "ewige" Skeptiker vollauf eines besseren belehren würden.

    Fazit:

    Das sind wohl die augenscheinlichsten Gründe, warum sich das DRM-System bislang nicht im gewünschten Maße durchsetzen konnte.
    Die Gerätehersteller zeigten hier auch kein besonderes Engagement, weil sie in dieser Technik keine größeren Marktchancen sahen.
    Ursprünglich war nämlich nach europäischer Vorgabe geplant, nach und nach bis spätestens 2015 sämtliche Rundfunk-Frequenzbereiche von Langwelle bis UKW mit diversen Standards (DRM - "HD-Radio"=>IBOC-iBiquity - NXP - DAB - (DSR ???) - etc.) zu digitalisieren. Von der zweiten Option, Lang-, Mittel- und Kurzwelle auf reinen Einseitenbandbetrieb umzustellen, hat man sich zugunsten der Digitalsysteme endgültig verabschiedet.
    Es liegt auch die Vermutung nahe, daß die "Macher" der in millionenteurer Werbung toll favorisierten und qualitativ doch unübertroffenen DSR-Technik selbst schuld sind an der Skepsis in der Bevölkerung den digitalen Rundfunk- und Fernseh-Medien gegenüber. Am 15. Januar 1999 wurde das bei Klassik-Liebhabern wegen der unkomprimierten Audiowiedergabe sehr beliebte und bislang unübertroffene Digitalsystem einfach mir nichts dir nichts abgeschaltet. Zwar zahlte die Deutsche Telekom ihren Kabelkunden teilweise eine Entschädigung für DSR-Tuner, die nach 1996 bei ihr gekauft worden waren, trotzdem war und ist gerade bei Käufern der Geräte der ersten Generation, die nicht unter 1000,00 DM zu haben waren, die Enttäuschung dementsprechend groß.

    Die Frage, die man sich also stellen darf, lautet demnach: "Kann so etwas auch bei den anderen Standards wie bei DSR passieren, daß teure Anschaffungen schon nach ein paar Jahren Betrieb zum Elektronikschrott gehören, nur weil wohl in wiederkehrender Regelmäßigkeit an den Systemen herumgeschraubt werden wird ?"
    So schnell wird eine einmal bitter enttäuschte Kundschaft nicht wieder Protagonist einer neuen Technik, wird vielmehr verständlicherweise eher eine abwartende Haltung einnehmen und mehr denn je auf glaubwürdige Erfahrungsberichte setzen wollen und vom "Mehrwert" vollauf überzeugt worden sein müssen.

    Machte man sich damals bei Einführung der stereophonen Rundfunkausstrahlung bei UKW-FM noch große Gedanken bezüglich der Mono-Abwärts-Kompatibilität, ist bei den heutigen digitalen Standards der Begriff "Kompatibilität" offensichtlich vollständig aus dem Wortschatz gestrichen worden.
    Ferner bleibt auch die Frage im Raum stehen, wieso bei dem in an Radikalität nicht mehr zu übertreffender Art und Weise, von einem auf den anderen Tag eingefürten DVBT-Digitalfernsehen über die notwendig gewordene Settopbox nicht nun auch Radioprogramme empfangen werden können sollten, was ohne Probleme technisch möglich wäre. - Einzige Ausnahme bildet der Raum Berlin, wo auch Radioprogramme in UKW-FM-Stereoqualität so per DVBT-Tuner zu empfangen sind ohne zusätzlichen Aufwand -.
    Man gewinnt immer mehr den Eindruck, spätestens jetzt, wie hier die breite Masse der Bevölkerung geradezu zum Spielball bestimmter Interessengruppen in Industrie und Rundfunk geworden ist, die ihrerseits ohne Unterlaß bestimmte Entwicklungen propagieren, obgleich längst noch nicht alle technischen Möglichkeiten gerade neu eingeführter, vorhandener Systeme voll ausgeschöpft worden sind.
    Der Grund für das Abschalten von DSR und die Nicht-volle-Ausnutzung des DVBT liegt hauptsächlich in der Favorisierung des mit Komprimierung arbeitenden DAB, das schon jahrzehntelang ein kümmerliches Schattendasein fristet, als DAB+ aufpoliert, nun doch forciert - "zum Kuckuck noch 'mal" - endlich die Nachfolge antreten solle.DAB Plus stört Analogkabelfernsehen und Polizeifunk und wird von der BNetzA zeitweise abgeschaltet.(Quelle: Heise News)

    Unüberhörbar ist aber der Protest gegen die Abschaltung herkömmlicher, analoger, terrestrischer UKW-FM-Sender, so daß die diesbezüglichen Digitalisierungsvorhaben mit DAB+ und DRM+ vorerst auf Eis gelegt werden mussten. Zumindest zehn Jahre lang soll es noch UKW-FM in der jetzigen Form geben.
    Auf große Gegenliebe wird eine derartige, geplante Digitalisierung gerade bei den seit etwa 1985 wie Pilze aus dem Boden geschossenen Privatsendern, für die man paradoxerweise erst verbotene Frequenzen über 100 beziehungsweise 104 Megahertz bis 108 Megahertz freigeschaufelt hatte, nicht stoßen, da deren Finanzierung aus Werbeeinnahmen wohl kaum eine schnelle technische Umrüstung ermöglichte.

    Unglücklicherweise scheint nun auch DRM mehr denn je in den Strudel dieser kontrovers geführten Diskussionen hineingerissen zu werden und hat es so bestimmt nicht gerade leichter, sich zu behaupten als das ideale Rundfunk-System der Zukunft, wie es sich ganz gerne auch auf der unten angegebenen Internetseite von der Schokoladenseite präsentieren möchte:
    Pro DRM
    Für weiterführende Informationen der DRM-Kritik sei auf diese Seite verwiesen:
    Contra DRM

    Interessanterweise wurden die DRM-Testsendungen des Deutschlandfunks auf Langwelle 177 kHz mangels Hörerechos wieder eingestellt. Dieser Sender arbeitet nun wie eh und je wieder mit Amplitudenmodulation.

    Auch der Bayerische Rundfunk, ein ehemaliger Protagonist dieser Technik, hat 2010 in punkto Digital Radio Mondiale die Segel gestrichen: DRM Ausstieg des BR

    Es bleibt zu bemerken, daß die älteren Rundfunkgeräte nur ein starkes, rauhes Rauschen vernehmen lassen beim Empfang eines Digitalsenders, das sich in etwa so anhört, wie der zeitweise hineinstreuende Jamming-Störsender in Audiobeispiel(1), allerding ohne die typische QSA-Schleifen-Tastung dazwischen. Folglich muß man sich ein neues Radio zulegen, um Mittelwelle in UKW-FM-Qualität hören zu können.

    Aber... es gibt bislang (2009 auch fast 6 Jahre nach Einführung der neuen Technologie !) kein einziges batteriebetriebenes Transistorradio auf dem Markt, das DRM empfangen kann. Der Decoderchip schluckt zu viel Strom, so daß man auf einen Netzspannungsanschluß angewiesen ist. Eine vermeintliche Energieeinsparung bei DRM-Sendern macht also eine nicht unerhebliche Erhöhung des Stromverbrauches bei DRM-Empfängern in der Summe der Energiebilanz zunichte, so daß das eventuell ins Feld geführe Argument einer derartigen umwelt- und resourcenschonenden Energiespartechnik leicht entkräftet werden könnte.

    Da greift man doch lieber gleich ganz zum meistens sowieso vorhandenen Laptop oder PC und (per Wireless LAN) auf Internetradio zu, wo die Zahl der in- und ausländischen Programme immer weiter im Wachsen begriffen ist. Das Einzige, was man neben dem schnellen Internetanschluß noch dazu braucht, ist eine Soundkarte, die man mit der heimischen Stereoanlage verbinden kann. Hier muß aber der Fairness halber noch angemerkt werden, daß nicht immer die gewünschten Programme und "Sender" überall verfügbar sind. Allzu oft sind die Serverkapazitäten der Anbieter voll ausgelastet und der Player zeigt im Display "geschlossen" an. Zum herkömmlichen "Wellenreiten" ist das Internetradio also nicht unbedingt geeignet.
    DRM kommt hier leider "zu spät". Innerhalb der letzten fünf Jahre sind das Internet und die Breitbandverkabelung eine durchaus ernstzunehmende Konkurrenz geworden.

    Ob diese Digital-Radio-Mondiale-Technik nun noch zur Versorgung strukturschwacher Gegenden ohne Breitbandnetz oder sogar weitläufiger "Entwicklungsländer" geeignet ist, die vielleicht noch nicht einmal über eine gesicherte Elektrifizierung verfügen, scheint also eine ernstzunehmende Fragestellung zu sein. Hier mutete das DRM-System geradezu wie ein teures Luxusspielzeug an, auf das man gerne verzichten könnte.
    Überdies wäre dort die Abstrahlung eines DRM-Signals mit bislang für AM verwendeten Sendeendstufen und Antennenkonstruktionen nicht ohne weiteres zu bewerkstelligen. Der flächendeckenden Versorgung mit nur einem starken Mittelwellen- oder Tropenbandsender in althergebrachter Amplitudenmodulation scheint hier der Vorzug gegeben zu werden. Man sollte diese Frequenzbereiche für die Weltgegenden freimachen, die sie nötiger haben.

    Wenn man sich "fernab der Heimat" nun schon zwangsläufig beim Radiohören mit Fading und Überlagerung arrangieren muß oder kann, gelingt das sicherlich kaum noch bei DRM-bedingt stotterndem Nachrichtensprecher, wo bei Fehlen von nur einer Silbe im Text der Sinnzusammenhang bereits völlig verloren gehen kann. Im "robusten" Modus (eigens vorgesehen für den Kurzwellenweitverkehr) ist übrigens - wie bereits erwähnt - kaum ein Unterschied festzustellen zur Tonqualität herkömmlicher Amplitudenmodulation oder etwas besserer Telefonqualität, von propagierter UKW-FM-Qualität über Kurzwelle kann da nun wirklich überhaupt nicht mehr die Rede sein.

    Dem "Fading"- und "Propagation-Disturbance"-Problem bei Amplitudenmodulation kann man auch sehr einfach mit Diversity-Empfang begegnen, wo die NF-Signale zweier oder mehrerer preiswerter AM-Empfänger, die an verschiedenen Antennen betrieben werden, zusammen auf einen Lautsprecher-Verstärker geführt und so Lautstärkeschwankungen und Verzerrungen egalisiert werden können. Wird über eingebaute Teleskopantenne empfangen, reichen oft sogar 10 Meter Abstand aus, in dem die Empfänger aufgestellt werden, um eine spürbare Verbesserung der Empfangsqualität zu erzielen.
    Das geht bei DRM-Empfang nicht mehr so leicht, weil baugleiche Empfänger mit exakt simultaner Speicherverwaltung und Signalaufbereitung Verwendung finden müssten, da ja auch eine gewisse Latenz zwischen empfangener Hochfrequenz und hörbarem Audiosignal hinzutritt. Gerade bei Zeitzeichenempfangsvergleich zwischen AM und DRM merkt man das sehr deutlich, wie der Empfang bei DRM um ein paar Sekunden hinter dem Sendersignal herhinkt. Es sei denn, der verwendete DRM-Empfänger hat von vorne herein im Front-End ein Diversity-Feature mit automatischem Frequency-Hopping.

    Bleibt nur zu hoffen, daß die Entwicklung hier nicht stehenbleibt, und die Investitionen im zweistelligen Millionenbereich, die bereits jetzt schon in das DRM-System hineingesteckt worden sind und nicht zuletzt auch aus GEZ-Gebühren stammen, nicht a fonds perdu sind. Momentan ist die Situation aber eher so einzuschätzen, daß in Chefetagen der Rundfunkanstalten Entwürfe für entsprechende Ausstiegsszenarien bereits in den Schubladen liegen. Unbestätigten Veröffentlichungen zufolge wird die Zahl der DRM-Hörer weltweit auf lediglich einige zehntausend geschätzt. Daß DRM-Empfangsgeräte schon seit einiger Zeit als Sonderangebote und Restposten verramscht werden, sollte ein Warnsignal sein, das war kurz vor dem Abklemmen des DSR-Systems mit den Tunern nämlich genauso.

    P.S.: Neuesten Informationen zufolge wird in der Volksrepublik China ein autonomes Digitalradiosystem projektiert mit ausschließlich für und in China selbst hergestellten Rundfunkempfängern unter Verwendung eigener Codecs, die nur einen Empfang der Staatssender ermöglichen. Die DRM-Technologie kann also durchaus auch zu einer Exklusiv-Veranstaltung bestimmter Interessengruppen umfunktioniert werden. In den westlichen Ländern könnte diese Entwicklung vermehrt zur "Pay-Radio"-Mentalität führen: Nur wer den jeweils passenden Codec besitzt, käme dann in den Genuß des entsprechenden Programmangebotes.

    - Und damit würde wohl vom ureigensten Prinzip einer offenen, weltumspannenden Informationstechnik für jedermann unter Verwendung relativ preiswerter Radios endgültig abgerückt werden. -

    Die Zeiten sind spannender geworden, die Diskussion um HDTV-fähige Receiver, mit denen man werbefrei und unabhängig jedes hochauflösende Fernsehprogramm empfangen kann, ist schon in vollem Gange. Kommerz pur - ja, sogar Pay-TV-Filme haben heute schon eine Halbwertszeit von 72 Stunden auf dem heimischen Festplattenrecorder, danach ist "tabula rasa".
    Aber das ist eine andere Geschichte....oder? -

    Zum Abtörnen aber noch eine kleine Kurzwellen-(Nacht-)Musik eines "völlig unbekannten" (schmunzel) Komponisten im Vier-Viertel-Takt.

    Erklärungen zur Amplitudenmodulation

    Wer sich nach all dem Gesagten immer noch für die analoge "Trägerfrequenztechnik" interessiert, möge hier mal hereinhören. Es sind vom Autor dieser HP selbst erstellte Demonstrationsbeispiele.

    Hier folgen Beiträge von fremden Seiten: Amplitudenmodulation (siehe auch hier: Flash Animation )

    Da hat sich ein kleiner Fehlerteufel eingeschlichen: Bei Formel (4) muß es beim letzten Term statt Omega T Omega S heißen...logisch....selbst draufgekommen?? Woll!!

    Erklärungen zu DRM

    Im Internet findet man sehr kompetente Ausarbeitungen zum Thema DRM, hier sei nur ein Beitrag willkürlich herausgegriffen: Digital Radio Mondiale DRM 120 eine Machbarkeitsstudie; Juni 2006 Interessenten möchten sich bitte zur Freischaltung einzelner Beiträge an die im Link angegebene E-Mailadresse oder Servicenummer wenden.

    Zitat: "....Das kostenfreie Archiv von WissenHeute Zugriff auf praxisnahe Beiträge - jederzeit Sie wollen einen Artikel einer früheren Ausgabe nachlesen? Kein Problem mit unserem umfassenden Online-Archiv. Sie haben uneingeschränkten Zugriff auf alle Ausgaben von Januar 1997 bis Dezember 2005...."

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