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Bildbetrachtung bei einem Feierabendmahl als Abschluss des Erntedankfestes am 30.9.2001 - Bild vom letzten Abendmahl Leonardo da Vincis (vor oder nach der Restaurierung)
"Einer unter euch wird mich verraten!" Den Augenblick, nachdem Jesus dies gesagt hatte, hat Leonardo vor 500 Jahren in seinem bekannten Bild festhalten wollen. Er selber hat sich geheimnisvoll in die Tischgemeinschaft der Jünger eingereiht und zwar in Form der beiden Knoten im Tischtuch links und rechts. (Leonardo hat seinen Heimatort Vinci in Verbindung gebracht mit dem lateinischen "vinculum" = Knoten.) Wollte er sagen: "Ich wäre nicht weniger schuldig geworden als damals die Jünger"?
Die Jünger sind aufs Höchste erregt. Der ganz links ist Bartholomäus. Er ist von seinem Platz aufgesprungen und blickt, als hätte er jemanden in Verdacht. Dann folgt Jakobus, der jüngere. Er streckt seinen Arm über den neben ihm sitzenden Andreas hinweg und nimmt Kontakt auf mit dem übernächsten, Petrus, als wolle er sagen: "Hast du gehört, was er gesagt hat?" Andreas, der Dritte, macht eine spontan abwehrende Geste. "Unmöglich, nicht ich!" soll sie sagen. Der Vierte, Petrus, beugt sich zu Johannes und wirkt als wolle er sagen: "Weißt du, wen er meint?" Das Gesicht des Petrus ist zornig. Mit einer eigenartigen Drehbewegung schwingt er einen Dolch, als wäre er bereit, jeden umzubringen, der Jesus verrät. Vor Petrus hat sich Judas nach hinten über den Tisch zurückgebeugt. Seine Hand ist abwehrend gegen die ebenfalls abwehrende Hand von Jesus in der Mitte gerichtet. Nach Judas kommt Johannes. Er ist ganz vergeistigt, träumerisch in sich versunken, als berühre ihn das alles gar nicht. Er kann es ja nicht sein! Der siebte Jünger ist Thomas. Sein hoch aufgerichteter Finger weist nach oben. Leonardo hatte sich mit der Taubstummensprache beschäftigt. Der Finger bedeutet Gott oder Himmel! "So wahr Gott lebt - das darf nicht wahr sein!" Vor Thomas beugt sich Jakobus, der ältere, vor Schrecken zurück und breitet die Arme aus. "Ich fass' es nicht!" Dahinter steht Philipus. Fleht er Jesus an? Sagt er: "Nimm's zurück, um Gottes willen, was du eben gesagt hast!" Matthäus, der Drittletzte, macht mit dem Arm eine weit ausholende Geste. "Was soll ich dazu sagen? Was meint ihr?" Aus den Mundwinkeln des Nächsten, Thaddäus, spricht Bitterkeit: "Habe ich's nicht schon lange gewusst?" Der Letzte ist Simon, achselzuckend, skeptisch. Keiner will es sein, jeder könnte es sein. Im Bildmittelpunkt blickt Jesus traurig und wissend: "So ist das nun! Gottes Wille soll geschehen!"
Dieses Bild wurde 2007 mit freundlicher Genehmigung abfotografiert im Burger-King-Restaurant in Köln- Mülheim . Eine Attraktion und Demonstration für Weltoffenheit und augenzwinkernden Humor für ganz Köln. Mittlerweile wurde dieses super-stylische, eine ganze Rückwand verzierende Riesenposter durch Köln-Poster ersetzt im Rahmen der Grundrenovierung. Aus Platzgründen musste leider von einer kostenlosen Überlassung dieses einmaligen Posters Abstand genommen werden. So wurde es fachgerecht von den Handwerkern entsorgt. (Eigentlich schade, trotzdem schmecken die "Whopper" nach wie vor exzellent.)
Kategorie 1: Das Original (vor und nach der Restaurierung) Kategorie 2: Rezeptionen in der Bildenden Kunst Kategorie 3: Rezeptionen in Theater und Film Kategorie 4: Interpretationen, Aktualisierungen, Identifikationen Kategorie 5: Karikaturen , Persiflagen und Cartoons Kategorie 6: Verwendungen in Werbung und Kommerz Kategorie 7: Nachbildungen, Kitsch und Kuriositäten Kategorie 8: Selbstdarstellungen
Die Rubrizierung des Bildmaterials stellt wie jede Einordnung in Schubladen ein zweischneidiges Verfahren dar: Einerseits sollen auf diese Weise in einer ersten typisierten Form die Betrachtung, das Verstehen und die Wiederverwertung der Bilder erleichtert werden. Andererseits haben derartige Einordnungen immer den Charakter der Vorläufigkeit und basieren oftmals auch nicht auf messerscharfen Kriterien, die eine Zuweisung zur einen Kategorie gegen eine andere rechtfertigen würden. Verhältnismäßig eindeutig ist die Absetzung der Kategorie 1, die das ,,Original'' bietet - freilich in nicht-restaurierter und in restaurierter Fassung, und man darf fragen, inwiefern die Restaurierung selbst schon eine Interpretation und / oder Nachbildung nach Kategorie 4 (Interpretationen, Aktualisierungen, Identifikationen) oder 7 (Nachbildungen, Kitsch und Kuriositäten) darstellt. Doch überlassen wir die Antwort auf diese Frage einmal den Fachleuten der Kunstgeschichte und Ästhetik. Kategorie 2 faßt alle Rezeptionen des ,,Cenacolo'' von Leonardo in der Bildenden Kunst, d.h. im engeren Sinne der Malerei, Grafik oder Bildhauerei, zusammen. Diese Kategorie enthält jedoch zugleich eine Einschränkung gegenüber der Kategorie 4. Natürlich ist im weitesten Sinne jeder Rezeptionsvorgang eine Form der Interpretation, der Aktualisierung bzw. der Identifikation (auch und gerade dann wenn z.B. eine Adaption an den Zeitgeist verweigert wird). Und selbstverständlich ,,interpretieren'' Dali, Warhol oder Willikens, die bei uns in der Kategorie 2 auftauchen, das Abendmahl Leonardos auf ihre Weise. Allerdings haben wir uns - um die Kategorie 2 bzw. 4 nicht ausufern zu lassen - bei der Zuweisung des Materials zu den beiden Rubriken von einem einfachen Gedanken leiten lassen, demzufolge unter Kategorie 2 diejenigen Darstellungen zu finden sind, die sich der formalen Gestaltung von Leonardos Abendmahl in stärkerer Weise verpflichtet fühlen (bis hin zum Zitat in neuem Kontext), während sich in Kategorie 4 Darstellungen finden, die die formale Gestaltung selbst variieren oder frei verändern bzw. die Szenerie neu besetzen und / oder mit neuen Inhalten füllen. Hier erscheint dann auch das fotografische Medium als richtungsweisend.
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